Umbau Laufenhaus Neuhausen Hauptsitz SIG

Lage Industrieschloss SIG Hauptsitz
Photo © bürobureau, Zürich

Das um 1900 erbaute Industrieschloss «Laufenhaus» in Neuhausen ist ein einzigartiger Zeitzeuge der Industrialisierungsgeschichte, welche die Schweiz prägte. Die aussergewöhnliche Lage - direkt am Rheinfall, dem grössten Wasserfall Europas, untermalt die Beziehung zwischen den Industriepionieren und dem Energiespendenden Naturschauspiel.
Heute wird das Laufenhaus von der SIG (schweizerische Industriegesellschaft) als Hauptsitz verwendet. Das Gebäude ist Teil des SIG Areals, welches sich vollständig im Besitz der Gemeinnützigen Stiftung SIG befindet. Die Eigentümerin transformiert das historische, ursprünglich geschlossene Industrieareal etappenweise zum offenen Quartier, mit Wohn-, Arbeits- und Begegnungsangeboten. Ziel ist es, an diesem einzigartigen Ort eine ausgewogene Mischnutzung zu schaffen und zugleich das Unternehmertum vor Ort zu fördern und zu stärken.

Die prägnante Gliederung in einen Hoch- und Längsbau, legte stets eine hierarchische Gliederung der Arbeitsplätze nahe - Management oben, Arbeiter unten. Das Projektbriefing sieht vor diese Strukturen aufzubrechen. Es soll eine offene Arbeitslandschaft entstehen, welche informellen Begegnungen und dem transdisziplinären Austausch Raum lässt. Die geforderten Arbeitsplatzqualitäten in dem bestehenden Gebäude zu erreichen, erweist sich als eine spannende Herausforderung. Ein rentablerer Neubau, scheint zunächst die gangbare Lösung – wäre jedoch nach heutigem Standpunkt schwer zu vertreten und in der historischen Gewichtung unterlegen.

Innerhalb der bestehenden Aussenform dieses nationalen Schutzobjektes, entwickelt Dost ein fliessendes Raumkonzept. Geschossübergreifende Deckenöffnungen schaffen geschossübergreifende Sichtachsen, die einzelnen Bereiche der Firma werden visuell über die Begegnungsräume erschlossen. So wird ein neues Gefühl für die beeindruckende Gebäudegeometrie und die exponierte Lage geschaffen. An der Schnittstelle des Hoch- und des Längsbaus durch die neue Verbindung innerhalb des Hauses ein Ort der gemeinsam erlebbaren Wertschätzung geschaffen. Dort wo die eigentliche Qualität der aktuellen Arbeitsplatzgestaltung liegt.

Über offen geführte Leitungskanäle, können Nutzungsspezifischen Anschlüsse jederzeit gewährleistet und nach den aktuellen Anforderungen angepasst werden. Besonders in der sich rapide wandelnden Arbeitskultur können so schnell neue Begegnungszonen und separierte Teamzonen geschaffen werden. Die Erstbespielung der jeweiligen Settings wurde von gemeinsam mit den Nutzern in Workshops erarbeitet, um so bessere aufgabenbezogene Arbeits- und Austauschorte für die Anwender zu schaffen.
Zwischen den offenen Begegnungsräume und den gefassten Teamzonen, entsteht abteilungsspezifisch ein Wir-Gefühl. Damit einhergehend Identifikation und das Bewusstsein Teil von etwas Grossem zu sein.

Die räumlich starken Gesten erlauben dem Projekt ein authentisch, industriell nüchternes Gestaltungskonzept, das sich über modische Befindlichkeiten hinwegsetzt. Zentrale Themen wie die Nutzung des Bestandes, Nutzungsflexibilität, Skalierbarkeit und stärken der Identität, geben dem Gebäude seine ursprüngliche Stärke zurück – ohne über Bestand hinwegzusetzen – sondern durch ein Weiterschreiben und die Weiterentwicklung neuer Einheit und Klarheit.

Das Projekt bringt die zentralen Themen der heutigen Arbeitswelt – Kommitent zu Herkunft, Identität, Bestandes Nutzung, Nutzungsflexibilität, Skalierbarkeit und Bescheidenheit zusammen. Ziel von Raumplanungen ist es verborgene Qualitäten – Wahrheiten des Bestandes – zu entdecken und diese durch gezielte Eingriffe erlebbar und damit zu einem wirksamen Wert entstehen zu lassen. Hierfür braucht es den unentwegten Willen und eine gemeinschaftliche Neugierde sowohl von Auftraggeber wie auch von Seiten des Projektteams.
Das Projekt gibt dem Gebäude seine ursprüngliche Stärke zurück – dies, ohne sich klar vom Bestand abzugrenzen oder sich ihm anzubiedern – sondern durch ein Weiterschreiben und damit Weiterentwickeln des Bestandes zu einer neuen Einheit und Klarheit.
Der Mut der Auftraggeberin in Bestand zu investieren und Menschen zueinander zu führen hat Leuchtturmcharakter. Eine Auszeichnung dieses Mutes und der daraus gewachsenen Lösung hilft diesen Mut zu belohnen, einem weiten Feld bekannt und zugänglich zu machen und leistet damit einen Beitrag zur Stärkung einer Baukultur, welche sich vermehrt auf seine Herkunft und der Verdichtung nach innen orientiert.

Nutzung: Unternehmenshauptsitz
Fläche: 3‘765m2

Vertikale Sichtachsen schaffen: Begegnungs- & Aufenthaltsbereich
Photo © bürobureau, Zürich
Barrierefreiheit als Gestaltungselement: Teamküche & Aufenthaltsbereich
Photo © bürobureau, Zürich
Empfangs- & Wartebereich
Photo © bürobureau, Zürich
Transparenz bei der Arbeit: Officeräume- & Meetingräume
Photo © bürobureau, Zürich
Transparenz bei der Arbeit: Officeräume- & Meetingräume
Photo © bürobureau, Zürich
Playground Arena
Photo © bürobureau, Zürich
Empfangs- & Wartebereich
Photo © bürobureau, Zürich
Konzeptillustration: Sichtverbindungen schaffen, informelle Begegnungen fördern
Drawing © Dost Architektur
Konzeptbild: Raumfluss und Strukturen aufbrechen
Visualization © Dost Architektur
Architecten
Dost Stadtentwicklung Architektur Innenarchitektur
Jaar
2021
Projectstatus
Built

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