Haus S bei Trippstadt

Deutschland
Perspektive
Zeichnung © .pg1

Warum Moderne keine Mode ist

Im Pfälzerwald kann man sich nicht hinter Architekturfloskeln verstecken. Der Hang bei Trippstadt zwingt zu Entscheidungen. Ein weißer Flachdachkubus mit anthrazitfarbenen Fenstern – die Standardpose des pseudo-modernen Bauens – fällt hier sofort durch. Er zitiert Bauhaus, ohne dessen Prinzipien zu verstehen.

Der Ort verlangte etwas anderes: eine Antwort aus Topografie, Logik und Konstruktion. Keine Modeform.

Die Bauordnung erlaubte ein Vollgeschoss, das Raumprogramm verlangte drei Ebenen. Das Pultdach bot die einzige konstruktive Strategie dafür. Daraus entsteht eine klare vertikale Sequenz: Wohnen unten, Schlafen dazwischen, Arbeiten oben. Kein Gestus – reine Notwendigkeit.

Das Dach orientiert sich nach dem Schlagwetter, weil Holz Schutz braucht. Punkt. Das Bauhaus hätte das verstanden.

Die rote Holzfassade ist kein Statement, sondern ein Werkzeug: maximaler Kontrast zum Wald, klare Lesbarkeit des Baukörpers. Farbe statt Tarnung. Ordnung statt Dekor.

Die runden Fenster brechen die Strenge bewusst. Ein kontrollierter Störimpuls gegen den heutigen Formalismus, der Echtheit durch Stilzitate ersetzt.

So entsteht ein Haus, das Haltung zeigt statt Stil zu imitieren. Und genau darin liegt seine eigentliche Nähe zur Moderne.

Schnitt
Zeichnung © .pg1
Architekten
architekturbüro .pg1
Jahr
2026
Projektstatus
Design
Bauherrschaft
Privat
Team
Michael Burghaus, Naomi Kessler, Rawan Swit

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