Wohnungssanierung in Wien

Wien, Áustria
Photo © Hertha Hurnaus

In einem um 1907 errichteten Wohnhaus im neunten Wiener Gemeindebezirk, entworfen von Richard Esriel, wurde eine Wohnung einer behutsamen, präzise gesetzten Sanierung unterzogen. Ziel war es, die Qualitäten der ausgehenden Gründerzeit nicht nur zu bewahren, sondern sie durch zeitgenössische Eingriffe weiterzuschreiben.

Bereits das Entrée fungiert als räumliches Scharnier: Ein maßgefertigter Tischlerschrank integriert ein hofseitiges Lichthoffenster samt Sitznische und verleiht dem Vorraum Aufenthaltsqualität. Gegenüber erschließen sich Bad und Toilette diskret über die Neuinterpretation einer klassischen Tapetentüre. Es entsteht ein leises Spiel zwischen Sichtbarkeit und Zurückhaltung.

Die schmalkomplizierte Geometrie des Hofkabinetts wurde zum Anlass genommen, den Vorraum gezielt zu verlängern und die privaten Räume in den ruhigen Hofbereich zu verlagern. Von hier aus öffnet sich über eine doppelte Pivotftüre einerseits das Arbeitszimmer, das als zeitgenössisches Gegenüber zu den historischen Holztüren gelesen werden kann. Kurkumafarbene, raumrahmende Stoffe erzeugen hier eine warme und konzentrierte Atmosphäre. Im angrenzenden Schlafzimmer tritt der Vorhangstoff Teheran von Josef Frank in einen subtilen Dialog mit dem Kastanienbaum des Innenhofs und verbindet Innen und Außen auf textile Weise

Im straßenseitigen Zimmer sind Essplatz und Küche angeordnet. Ein schwenkbares Küchenelement erweitert bei Bedarf die Arbeitsfläche und verleiht dem Raum eine unerwartete Dynamik. Der zur Balkonbucht orientierte Raum wurde als Wohnzimmer definiert; die doppelflügelige Verbindung zur Küche sowie ein neu ergänzter Kamin steigern die räumliche Großzügigkeit und Wohnlichkeit.

Base-Beton an Wänden und Böden schafft eine durchgängige Materialität legt sich wie ein ruhiger, taktiler Grundton über die Sanitärräume. Die Dusche ist durch zwei Glasflächen abgetrennt und wahrt so Offenheit und Großzügigkeit trotz kompakter Dimensionen.

Im Abstellraum, ursprünglich der kleine Klopfbalkon, wurden für den Boden die Ziegel des Abbruchs auf der Balkonplatte wiederverlegt, die Wände mit vorgefundenen Stegplatten geschlossen. Der Raum fungiert heute als Speicher: im Winter als erweiterter Kühlschrank und ganzjährig als Weinlager.

Die Sanierung versteht sich als leiser und präziser Eingriff, der das Bestehende respektiert und zugleich neue räumliche Beziehungen formuliert. Über die reine Instandsetzung hinaus ist eine Atmosphäre entstanden, die sich unmittelbar erschließt. Ein Wohnraum, der zum Barfußgehen einlädt. Die Abfolge der Räume wirkt klar und selbstverständlich, die restauratorischen Maßnahmen folgen einer Haltung großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Von den erhaltenen Buntgläsern bis zu den auf Flohmärkten wiedergefundenen Beschlägen zeugt das Projekt von einer konsequenten Liebe zum Detail. So wird die Wohnung zu einer zeitgenössischen Fortschreibung eines Wiener Wohnhauses mit Geschichte, lesbar, ruhig und zugleich von neuer Eleganz.

Photo © Hertha Hurnaus
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Arquitectos
Veit Aschenbrenner Architekten
Ano
2022
Status do projeto
Built
Cliente
privat
Statik
ghp gmeiner haferl&partner zt gmbh

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