Visitor Centre Schaffhausen
Im historischen Rathaus im Zentrum der Schaffhauser Altstadt entsteht ein neuer Informationspunkt. Die ehemalige Nutzung als öffentlicher Multifunktionsraum und städtischer Treffpunkt wird zurückgeführt, sodass Tourismus, politische Aktivitäten, Ticketing für lokale Veranstaltungen, sowie eine Wirtschaftsplattform unter einem Dach vereint werden können. Die räumliche Erweiterung wird somit zu einem Knotenpunkt unterschiedlicher Nutzungen, ermöglicht Begegnungen und fördert Synergien. Grenzen zerfliessen und Transparenz entsteht.
Ein Teil des geschichtsträchtigen Rathauses aus dem Jahre 1394 wurde umgebaut und räumlich mit dem angrenzenden Foyer verbunden. Das historische Holztragwerk wird freigelegt und in seiner Dimension erlebbar. Durch den Rückbau einer Galerie sowie Teilen des Staatsarchivs reduzieren sich die Räume auf eine durchgängige Schicht. Eine Perforierung klärt die Erschliessung des Visitor Centres und des politischen Trakts und verbindet beide Bereiche. Die frei im Raum stehende Volumenkonstruktion auf fünf Pfeilern, trifft auf eine durchgehende Scheibe welche die Verbindungsachse zum Rathausfoyer vom Offenraum trennt. Das Raum-im-Raum-Prinzip schafft eine offene, einladende Geste und durchgehende Sichtbezüge, die mithilfe von grosszügigen Öffnungen auch im Aussenraum sichtbar werden.
Der überhöhte Raum ist vom Auftritt des Tourismus Center geprägt. Neben einer strukturierten Prospektwand und einer grossflächigen LED Wall liegt der Fokus auf fünf im Raum verteilten Stationen, welche die «Highlights» des Schaffhauser Tourismus repräsentieren. Szenografisch und in Form von dreidimensionalen Modellen werden der Rheinfall, die Schiffart, die Weinanbaugebiete, der Munot, sowie Stein am Rhein in musealer Sprache thematisiert. Die selbsterklärende Vermittlung schafft Orientierung und stärkt das Prinzip des Selfservices, welcher auch ohne besetzten Frontdesk auskommt. Der Wert eines bewussten Nebeneinanders von selbstständiger Informationsvermittlung und persönlichen Beratungsmöglichkeit wird anerkannt und ausgespielt.
Das Backoffice wird durch den gegebenen Höhenversatz, Vorhangelemente und die darüber liegenden Volumen räumlich separiert. Eine unter dem zweiten Volumen angeordnete Weinbar markiert das Zentrum. Sie kann sowohl für Aperos politischer oder öffentlicher Veranstaltungen als auch zur Degustation regionaler Weine genutzt werden. Dem Anlass entsprechend lässt sich die Lichtstimmung individuell anpassen. Die Raumnutzung wird durch die zwei Volumen auf Stelzen strukturiert und definiert. Der durchgängige Boden im Erdgeschoss setzt den öffentlichen Bereich gestalterisch klar von der privaten Nutzung der Volumen ab. Die Hülle der beiden Büro- und Besprechungseinheiten wird feingliedrig von weissen Fensterrahmungen in unterschiedliche Flächen aufgelöst. Das daraus resultierende unterschiedliche Öffnungsverhalten regt die Nutzer zu einer bereichsübergreifenden und spontanen Kommunikation an und versprüht eine spielerische Qualität.
Die Leichtigkeit des filigranen Eingriffs schafft einen Dialog zum massiven Tragwerk und historischen Gemäuer. Die bauliche Geschichte des Bestands erfährt einen respektvollen Umgang, ohne dass der Ausdruck des ergänzten Einbaus an Selbstbewusstsein einbüsst. Ende 2020 eröffnet das Schaffhauser Visitor Center und liefert Ansätze zu den Themen Standortattraktivität und konstruktivem Nebeneinander von digitaler und persönlicher Beratung. Besonders in Zeiten von sozialer Distanz zeigt sich, dass durch eine gut strukturierte Umsetzung mit szenografischen Elementen ein nicht permanent besetzter Frontdesk neue Qualitäten schafft und Besucher auch selbstständig Angebote und Inhalte studieren und entdecken können. Wenn eine persönliche Beratung gewünscht ist, ermöglicht der zusätzliche Raum umso mehr Möglichkeiten, individuelle Aufmerksamkeit zu schenken.
- Jaar
- 2020
- Projectstatus
- Built





