Erlebnismuseum Perlmutter Adorf/Vogtland

Freiberger Straße 8, D-08626 Adorf/Vogland, Germania
Das neue Eingangsgebäude mit der Betonschale verbindet zwei historische Fachwerkhäuser
Foto © Gustav Willeit

Das neue, weltweit einzigartige Museum widmet sich dem kulturellen Erbe der Flussperlmuschel, der Perlenfischerei und der Herstellung von Perlmutterwaren. Sein Erscheinungsbild ist aus dem Aufbau der Muschel abgeleitet: raue Schale und kostbares Inneres stehen im Kontrast und bilden dennoch eine Einheit. Die windschief verformte Gebäudehülle transformiert das Bild der Muschelschale und setzt ein Signal in den öffentlichen Raum. Über die Betonschale fließt kontinuierlich Wasser in einen Brunnen und verweist so auf fließendes Wasser als Lebensgrundlage der Muschel.
Adorf kämpft mit den typischen Problemen ländlicher Regionen: Überalterung und Rückgang der Bevölkerung, Attraktivitätsverlust als Wohn- und Arbeitsort und eine daraus resultierende schwierige wirtschaftliche Lage. Die Stadt stemmt sich diesem Wandel mit Verbesserungen von Infrastruktur und Bildungsangeboten entgegen. Das neue Perlmutter Museum stellt ein Leuchtturmprojekt für Ort und Region dar, das Identifikationsobjekt und Motor einer positiven Entwicklung sein soll. An keinem anderen Ort der Welt existiert ein derartiges Museum zu Flussperlmuschel, Perlenfischerei und Perlmutterwarenherstellung, was Adorf als attraktives und anziehendes Alleinstellungsmerkmal für die aktive Gestaltung des Strukturwandels nutzen möchte.

Das Grundstück des Neubaus war eine Brache ohne Qualität im Erscheinungsbild oder für den Aufenthalt der Menschen. Die einbezogenen Altbauten waren teilweise ungenutzt leerstehend und drohten zu verfallen. Durch deren Erhalt und Weiternutzung wird die örtliche Situation stabilisiert und gestärkt. Mit der Intervention entsteht ein lebendiger Ort, der sowohl die unmittelbare Umgebung als auch durch die Nähe zu Marktplatz und Rathaus die gesamte Innenstadt aufwertet. Die Integration der historischen Stadtmauer in den Patio des Museums macht die Geschichte der Stadt erlebbar. Der rückwärtige grüne Hof steigert in Verbindung mit einem angedachten Café die Aufenthaltsqualität im Freien.

Der Neubau verbindet die bestehenden Gebäude zu einem neuen Museumskomplex für die Bewahrung, Erforschung und Vermittlung des kulturellen Erbes Perlmutter. Sein Erscheinungsbild ist aus dem Aufbau der Muschel abgeleitet: raue Schale und kostbares Inneres stehen im Kontrast und bilden dennoch eine Einheit. Die windschief verformte Gebäudehülle transformiert das Bild der Muschelschale und setzt ein Signal in den öffentlichen Raum. Über die Betonschale fließt kontinuierlich Wasser in einen Brunnen und verweist so auf fließendes Wasser als Lebensgrundlage der Muschel.

Die Altbauten, die rund vier Fünftel der Gesamtfläche ausmachen, werden durch die Verbindung mit dem Neubau erhalten und langfristig sinnvoll weitergenutzt. Der Neubau hat keinen Keller, um den Einsatz von Beton zu reduzieren. Die Räume der Gebäudetechnik befinden sich in einem der angrenzenden Altbauten. Die gekrümmte Fassade besteht aus einer materialminierten Beton-Hyparschale. Die Tragkonstruktion im Bestand wird mit Vollholz aus heimischen Wäldern verstärkt, ebenso werden für Fenster und Möbel heimische Hölzer verwendet.

Auf dem Boden liegt Naturstein aus einem nahegelegenen Steinbruch. Heizung und Kühlung erfolgen mittels Sole-Wasser-Wärmepumpe, die mit Solarstrom betrieben wird. Die zentrale Lüftung arbeitet mit Wärmerückgewinnung.

Der Neubau ist sehr kompakt mit geringem umbauten Raum, weil die Geschosshöhen der Altbauten übernommen werden. Der hohe Wärmedämmstandard des Neubaus und der innenseitig gedämmten Hülle der Altbauten sowie die wenigen Öffnungen in den Fassaden sorgen für geringe Wärmeverluste, optimierten solaren Eintrag und ein für die Ausstellungsstücke wichtiges konstantes Klima im Inneren. Die unverkleidete Massivkonstruktion des Neubaus sowie die eingesetzten Lehmziegel und Lehmputzflächen im Bestand wirken als thermische Masse und regulieren die Behaglichkeit und Luftfeuchte im Inneren. Die ständige Bewässerung der Fassade mit Regenwasser verbessert im Sommer das Mikroklima des Ortes durch das Prinzip der Verdunstungskälte.

Mit der Teilbegrünung des rückwärtigen Hofes und dem sich auf der bewässerten Fassade bildenden Moos entstehen Verbesserungen der ökologischen Situation des Standortes, beispielsweise in Form neuer Lebensräume für Insekten. Zudem ist das Museum wichtig für den Naturschutz in der Region. Durch die Forschung, Vermittlung und Aufklärung über das Lebewesen Flussperlmuschel und seinen Lebensraum in der Natur trägt das Museum dazu bei, die Naturschutzprojekte in der Region zu unterstützen, die sich mit der Wiederansiedlung der Muscheln in den umgebenden Wäldern beschäftigen. Es ist eine wesentliche Aufgabe des Museums, die Bevölkerung für die heimische Flussperlmuschel zu sensibilisieren, um deren Fortbestand zu sichern.

Die Muschel und ihr Wirtstier, die Forelle
Foto © Albrecht Voß
Das Innere und Äußere der Muschelschale
Foto © Albrecht Voß
Die Betonschale der Fassade transformiert das Bild der Muschelschale
Foto © Gustav Willeit
Wasser fließt kontinuierlich über die Betonschale in einen Brunnen
Foto © Gustav Willeit
Unter der Schale liegt der Eingang in das neue Museum
Foto © Gustav Willeit
Zentrale Mitte des Museums ist der Patio mit Einbindung der historischen Stadtmauer
Foto © Gustav Willeit
Über das Freiberger Tor gelangt man zum Marktplatz
Foto © Gustav Willeit
Blick die Straße hinunter
Foto © Gustav Willeit
Die Schale kragt über dem Vorplatz aus
Foto © Gustav Willeit
Foyer mit Infopoint und Kassenbereich
Foto © Gustav Willeit
Die Ausstellungsräume sind mit Fenstern an den Patio angebunden
Foto © Gustav Willeit
Der Patio erstreckt sich über alle Etagen
Foto © Gustav Willeit
Die Räume der Wechselausstellung folgen der Form der Betonschale
Foto © Gustav Willeit
Die Ausstellung fügt sich in das historische und ergänzte Fachwerk des Altbaus ein
Foto © Gustav Willeit
Ausstelungsexponate unter dem ergänzten und verstärkten Tragwerk des Altbaus
Foto © Gustav Willeit
Der Wasserkreislauf benetzt kontinuierlich die Fassade der Schale
Foto © Gustav Willeit
Lageplan
Disegno © Schulz und Schulz
Grundriss Erdgeschoss
Disegno © Schulz und Schulz
Grundriss 2. Obergeschoss
Disegno © Schulz und Schulz
Querschnitt
Disegno © Schulz und Schulz
Längsschnitt
Disegno © Schulz und Schulz
Ansicht
© Schulz und Schulz
Anno
2025
Cliente
Stadt Adorf/Vogtland, Bürgermeister Rico Schmidt
Team
Christoph Untch, Christian Wischalla, Jana Unbehauen, Sarah Ahner, Julian Lengert, Elisa Thänert
Architekten- und Ingenieurleistungen LPH 6, 7 und 8
Neumann Architekten + Generalplaner GmbH, D-08523 Plauen
Tragwerksplanung
Mathes Beratende Ingenieure GmbH, D-09112 Chemnitz
Lichtplanung Patio
ANDRES + PARTNER Partnerschaft mbB, D-22419 Hamburg
HLS-Planung
Dr. Schott und Partner GmbH, D-08056 Zwickau
Elektrotechnik-Planung
Ingenieurgesellschaft Lachmann-Dominok mbH, D-08606 Oelsnitz/Vogtland
Thermische Bauphysik, Wärmeschutz, Energiebilanzierung
GWT-TUD GmbH, D-01067 Dresden
Bauakustik, Raumakustik, Schallimmission
Akustik Bureau Dresden, D-01219 Dresden
Freianlagen
Öko-Plan Bauplanung GmbH, D-08523 Plauen
Ausstellungsplanung
KOCMOC.NET GmbH, D-04103 Leipzig

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