Areal Silberhof

Ringkengässchen, Schaffhausen, Suisse
Visualisierung Hof als Begegnungs- und Aufenthaltsort
Visualisation © Tom Schmid

Im autofreien, historischen Zentrum der Schaffhauser Altstadt entsteht mit dem Silberhof ein innovatives Wohnprojekt. Auf dem Areal der ehemaligen Silbermanufaktur Jezler wird das historische Gebäude aus dem Jahr 1898 für urbanes Wohnen umgenutzt, wodurch seine einzigartigen architektonischen Details hervorgehoben werden. Das Herzstück des neuen Areals bildet ein begrünter Innenhof, der durch spielerisch gestaltete Laubengänge das historische Gebäude mit einem L-förmigen Neubau verbindet und den zukünftigen Bewohnern einen qualitätsvollen Aussenraum und damit Möglichkeiten zur sozialen Interaktion bietet.
Im Rahmen des innovativen Wohnprojekts Silberhof in Schaffhausen entstehen auf dem ehemaligen Industriegelände 29 Wohneinheiten und urbane, begrünte Begegnungsräume.

Neben teils zweigeschossigen Wohnungen im L-förmigen Ersatzneubau entstehen im Bestand der ehemaligen Silberfabrik industriell geprägte Einheiten, in denen die Raumhöhe zum charakteristischen Gestaltungselement wird. Jedem Wohnraum wird durch ein durchdachtes Grundriss- und Materialkonzept eine einfache Klarheit, Atmosphäre und Geschichte verliehen. Einen besonderen Aufenthaltsort des innerstädtischen Wohnprojekts bildet der begrünte, terrassierte und durch Laubengänge erschlossene Innenhof der als Begegnungsort für die 29 Wohneinheiten fungiert.
Ausgangslage

Bereits 1822 gründetet Johann Jacob Jezler die gleichnamige Silberwarenfabrik. Obwohl während der Bombardierung von Schaffhausen 1944 ein Teil der Gebäude zerstört wurde und über die Jahre bauliche Ergänzungen folgten, konnten historische Bereiche und Strukturen des ehemaligen Fabrikgebäudes von 1898 bis heute erhalten bleiben. Das Areal und auch die Firmenhistorie sind Zeugen einer glanzvollen und bewegten Zeit Schaffhauser Stadtgeschichte. 2018 wurde das innerstädtische Areal der Jezler Manufaktur stillgelegt. In dem darauf folgenden Umnutzungskonzept sollte das einzigartige Potential des Areals in Form einer zeitgemässe Neubelebung des Quariers erhalten werden. Als Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung und bedürfnisorientierter Wohnqualität wurde in sorgsamer Planung ein neues Konzept entwickelt. Faktoren wie die Kombination von privatem Rückzugsraum und gemeinschaftlichen Begegnungsräumen mit der zentralen innerstädtischen Lage, Vielfalt und Umgebung sorgen für eine hohe Lebensqualität und tragen zu aktiver Belebung und Interaktion bei.

Entwurfsidee
Der Silberhof bietet einer potentiellen Zielgruppe von offenen, begegnungsfreudigen und kulturinteressierten Menschen Raum für gesellschaftlichen Austausch und gemeinschaftliches Zusammenleben in den umgebauten Bestands- und den Neubaugebäuden auf dem Silberhof Areal.
Im Neubau sind die Wohneinheiten so ausgerichtet, dass sie ein Maximum an Sonnenlicht erhalten und über hybride Innen-/Aussenräume verfügen, die variabel genutzt werden können. Der Laubengang fungiert dabei als kommunikatives Element und schafft zufällige Begegnungen zwischen den Bewohnern. Das Konzept ist ein kleines Paradies innerstädtischer Nachbarschaft und Privatheit, entwickelt mit viel Liebe zu Materialität und Formsprache.
Projektierung Stadtplanung

Die Geschichte des Areals und der Silbermanufaktur Jezler dient als Inspiration für ein neuartiges Konzept des zeitgenössischen urbanen Wohnens und spielt bei der Transformation des ehemals gewerblich genutzten Areals eine entscheidende Rolle. Verbindungen entstehen; zwischen Alt und Neu, privatem und öffentlichem Raum, zwischen Innen und Aussen.

Aufgrund der Lage im dicht bebauten historischen Kontext der Altstadt und der Nachbarschaft zum ehemaligen Industriequartier am Rhein, stellt das Jezler Areal seit jeher eine Art „Petrischale“ unterschiedlicher Bautypologien und Nutzungen dar. Auf der Seite des Innenhofs zeigt sich die Fassade mit historischen, industriellen Sprossenfenstern, auf der Seite zur Strasse hin, greift die Typologie der Fenster den Neubau gegenüber auf und schafft grosse Öffnungen. Das Konzept der Petrischale zeigt sich auch in der Materialisierung: Das neue Attikageschoss auf dem historischen Bau zitiert das Messing, welches sich in der umliegenden Altstadt finden lässt. Die Typologie der Dachformen wurde ebenfalls aus den Umliegenden Gebäude eruiert. Neben der Förderung der Schaffhauser Wohnkapazität zielt das Projekt darauf ab, die umliegende, grüne Vegetation des Stadtviertels mittels Innenhof und Dachterrassen aufzugreifen und erlebbar zu machen. Das Projekt setzt sich bewusst zum Ziel, die kleinen Schleich- und grösseren Verbindungswege des Quartierabschnitts beizubehalten, um die Bewohner nicht nur im Areal sondern auch im Arealperimeter miteinander zu verbinden und Begegnungen zuzulassen. Der durch das Projekt entstandene Wohnraum des Silberhofs verteilt sich auf 3 Gebäude. Neben dem historischen Gebäudebestand aus dem 19. Jahrhundert und dem Anbau aus den 1990er Jahren komplettiert ein L-förmiger Ersatzneubau im Südosten des Grundstücks die Bebauung des Areals. Die Gebäudekörper schaffen durch ihre Typologie und Anordnung eine bewusste Verbindung zwischen öffentlichem und privatem Raum.
Der Entwurf aus den nun drei Gebäuden fügt sich nahtlos in die Dachlandschaft der Schaffhauser Altstadt ein. Das Umnutzungskonzept des Silberhofs trägt zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung Schaffhausens bei. Der urbane Charakter des Projekts sowie die innovative und nachhaltige Herangehensweise zeigen sich auch im Aspekt der Mobilität: statt auf eine Tiefgarage setzt das Konzept auf Velostellplätze und die einfache Zugänglichkeit des Innenhofs für Bewohner*innen und Besuchende. Eine besondere städtebauliche Herausforderung war aufgrund enger und verschachtelter Platzverhältnisse gegeben. Anstelle von Abkapselung und Geschlossenheit empfängt der Neubau Bewohner*innen und Besuchende mit einer über Eck geöffneten Geste im Erdgeschoss und ermöglicht den Durchgang zum begrünten Innenhof.

Projektierung Architektur

Mit einer einladenden Geste zur altstädtischen Umgebung öffnet sich das Areal der ehemaligen Silbermanufaktur Jezler zur umliegenden Schaffhauser Innenstadt. Die Lage und Positionierung der Gebäude zueinander schaffen neue räumliche Qualitäten in Form des grosszügigen, begrünten Innenhofs während zudem eine gute Besonnung der Räumlichkeiten in den unterschiedlichen Gebäudeteilen ermöglicht wird. Der Innenhof verbindet nicht nur die einzelnen Gebäude, die Geschosse über die vertikale Erschliessung und spielerisch gestaltete Laubengänge miteinander, sondern auch die Bewohner*innen, die den Hof als Aufenthaltsort und Treffpunkt nutzen. Dieser qualitätsvolle Aussenraum lädt zur sozialen Interaktion ein und wird in Frühling und Sommer durch die Begrünung zu einer naturbelebten, beschatteten Oase.
Beim Umbau des historischen Altbaus bzw. Industriegebäudes wird auf möglichst minimale Eingriffe in die bauliche Substanz geachtet, wobei notwendige ökologische und technische Ertüchtigungen sorgfältig umgesetzt werden. Charakteristische Elemente wie sichtbare Stahlträger oder tragende Eisengussstützen werden reizvoll in die moderne Architektur integriert. Der nördliche Anbau aus den 1990er Jahren wird energetisch und schalltechnisch ertüchtigt und einer optischen Aufwertung unterzogen. In hochwertiger Massivbauweise aus Beton und Backsteinmauerwerk erfolgt der Neubau. Es entsteht wertvoller Wohnraum im Wechselspiel von lebendiger Geschichte und urbaner Vielfalt.

Projektierung Innenarchitektur
Einzigartige architektonische Details wie gusseisernen Stützen mit industriellem Charakter wurden im Umbauprozess aufgearbeitet und tragen das historische Erbe des Gebäudes im neuen Konzept weiter. In der neu erstellten Aufstockung entstehen grosszügige Wohnungen mit Attikacharakter. Insgesamt umfasst der Altbau bzw. Industriebau sechs Geschoss-, zwei Attika- und eine zweigeschossige Maisonettewohnung.
Alle Wohnungen erstrecken sich mit den Aufenthaltsbereichen zum Strassenraum wie auch zum begrünten Innenhof hin, während die funktionalen Räume wie das Badezimmer, welches viel Privatsphäre bieten soll, zentral angelegt sind, dadurch verfügen die Aufenthaltsräume über angenehme Lichtverhältnisse. Der Altbau wurde um ein Attikageschoss erweitert, dessen Aussenhaut das Kupfer der umgebenden Altstadtbauten bewusst aufnimmt.

Im L-förmigen Ersatzneubau entstehen drei teils zweigeschossige Loftwohnungen und dreizehn moderne Geschosswohnungen. Die obersten Wohneinheiten zeichnen sich durch den Dachraum mit seiner charakteristischen Deckengeometrie aus.
Aufgrund von Denkmalschutz und baulichen Vorschriften konnten keine auskragenden Balkone an das Gebäude angebaut werden. Um dennoch die Verbindung zwischen Innen und Aussenraum zu schaffen wurden für die Wohnungen im historischen Gebäudeteil sogenannte Flissadenräume eingeplant. Diese fungieren je nach Nutzungsweise zur entsprechenden Jahreszeit als flexibler Innen-/oder Aussenraum. Diese Massnahme ermöglicht eine aussergewöhnlich effiziente Nutzung der Wohnfläche und setzte ein innovatives Beispiel für das Leben mit den Jahreszeiten. Die Flissadenräume stellen zudem einen erneuten Bezug zum, von Aussen visuell eher verborgenen Innenhof dar. Als Transitionsbereiche zwischen Innen und Aussen repräsentieren die Flissadenbalkone dieses Leitmotiv im Entwurf und greifen es erneut auf.

Standort: Schaffhausen
Nutzung: Wohnen
Aufgabe: Neukonzept
& Umbau
Auftrag: Direktauftrag

Kennzahlen:
Anzahl Wohnungen: 29
( 1.5 Zi – 5.5 Zi. WHG)
Wohnfläche: 2`425 m2
Grundstücksfläche:
1196m2, Altstadtzone

Visualisierung Aussenbereich
Visualisation © Tom Schmid
Wohnküche im Industriebau
© bürobureau, Zürich
Wohnküche im Industriebau
© bürobureau, Zürich
Offenes Wohngefühl mit hochwertigem Parkettboden
© bürobureau, Zürich
Doppelstöckige Wohnungen im Industriebau
© bürobureau, Zürich
Wohnküche im Industriebau
© bürobureau, Zürich
Année
2023
Statut du projet+
Design

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