Energiezentrale Unterfeld
Hängende Gärten aus Faserzement
Die Energiezentrale Unterfeld in Zug ist das Herzstück der örtlichen Energieversorgung und stellt Wärme und Kälte für ein neu entstehendes Quartier bereit. Als Hauptenergiequelle dient das Wasser des Zugersees. In der Energiezentrale bringen Wärmepumpen die aus dem Seewasser gewonnene Wärmeenergie auf brauchbare Temperaturen, um sie dann weiter zu den Gebäuden im Quartier zu verteilen. Die neue Energiezentrale steht an der Schnittstelle zwischen einem Siedlungsraum und einem Landschaftsschutzgebiet. Da die Stadt Zug es nicht erlaubte, ein Industriegebäude in einer geschützten Landschaft zu platzieren, musste der Energieversorger einen Fassadenwettbewerb ausloben. Diesen gewannen die Zürcher Architekten Lütjens Padmanabhan zusammen mit Bischoff Landschaftsarchitektur mit der Idee eines vertikalen Gartens.
Faserzement – kulturell in der Region verankert
Grau glänzende, gewellte Faserzementplatten von Swisspearl umhüllen den Betonkubus. An den offenen Fassadenecken ist die Stahlkonstruktion, auf der die Platten befestigt sind, sichtbar. Gerade hier wird die Ambivalenz zwischen den dünnen, leichten Faserzementplatten und dem massiven Betonkörper deutlich. „Wir haben uns für Wellplatten entschieden, da dieses Material stark mit landwirtschaftlichen und industriellen Bauten verbunden ist, es ist lokal und kulturell in der Schweiz verankert. Es hat auch eine ambivalente Erscheinung: Mal wirkt es wie Metall, mal zeigt es eine zementöse Oberfläche“, erklärt Architekt Oliver Lütjens von Lütjens Padmanabhan Architekt*innen.
Die Fassadenplatten sind geneigt und in mehreren zurückspringenden Reihen angeordnet. Zwischen den Plattenreihen sind Pflanzentröge eingehängt, aus denen Pflanzen wie aus Felsspalten wachsen und an der Fassade herunterhängen. Auf etwa zwei drittel Höhe des Gebäudes kippen die Platten dann plötzlich in die Gegenrichtung, sodass sich das Gebäude trichterförmig dem Himmel öffnet. „Wie eine Gottesanbeterin, die auf Regen wartet. Architektonisch verbindet sich das Gebäude mit dem Himmel und es wirkt symbolisch, als warte es auf Regen“, erklärt Architekt Oliver Lütjens.
Hängende Gärten
Die Architekten haben sich von dem Kreislauf des Wassers inspirieren lassen. Das Wasser wird oben am Dach gesammelt, über die Pflanzentröge nach unten geleitet und schliesslich über den Boden wieder in den Fluss und zurück in den Zugersee geführt. Die Fassade ist in enger Zusammenarbeit mit Bischoff Landschaftsarchitektur entstanden, die die Pflanzen jeweils passend zur Exposition der Fassade auswählten.
Nicht nur das wachsende Grün, auch die wellenförmigen Platten tragen zur Lebendigkeit bei: Mal werfen sie Schatten, mal leuchtet das Material und bildet einen schönen Kontrast zum üppigen Grün. Dazu wählten die ArchitektInnen das Produkt Ondapress-57 von Swisspearl, gewellte Faserzementplatten mit einer Wellenhöhe von 57 mm und einer Reflex-Beschichtung aus. Da sie Platten mit einem Abstand zur Betonfassade montiert sind und die Konstruktion nach oben offen ist, wird auch die Rückseite der Platten beregnet. Um Ausblühungen und möglichen Verformungen der Platten zu verhindern, wurde auch die Rückseite mit einem Farbauftrag beschichtet.
Die Energiezentrale liegt nicht nur am Rande eines Naturschutzgebiets, sie liegt auch an einer Bahnstrecke. Wer öfters mit dem Zug von Zürich nach Mailand fährt, kann vom Fenster aus beobachten, wie sich das Gebäude und sein Bewuchs mit den Jahreszeiten wandeln.
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- Swisspearl Schweiz AG
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- 2024
- Project Status
- Construït
- Architekt
- Lütjens Padmanabhan Architekt*innen
- Ausführung Fassadenbau
- Diethelm Fassadenbau AG










