Neubau Ganzjahresstützpunkt Maulbronn

Talweg 10, Maulbronn, Niemcy
Simon Sommer Fotografie

Solarernte in Straßenmeisterei
Neubau eines energetisch autarken Industriegebäudes in Holz-Hybrid-Bauweise, Maulbronn

Die Straßenmeisterei im schwäbischen Maulbronn wurde in den 1960er Jahren als Ganzjahresstützpunkt für Streckenkontrollen, Straßenunterhaltung und Winterdienste errichtet. Seitdem werden hier im 24/7-Betrieb Schilder erneuert, Fahrbahnen repariert und Schneebeläge geräumt. Knapp 60 Jahre später zeigte sich, dass die Bestandsgebäude nicht mehr den heutigen Anforderungen genügen. Da kein neuer Standort gefunden werden konnte, entschied der Enzkreis als Bauherr im Jahr 2019: Ein Teil der Gebäude sollten im laufenden Betrieb abgerissen und neu errichtet werden – als energetisch autarkes, zukunftsfähiges Industriegebäude. In einem VgV-Verfahren hatte sich das Büro THOMA. LAY. BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA (TLB Architekten) mit Sitz in Stuttgart und Todtnau den Auftrag für das ehrgeizige Vorhaben samt ambitionierten Energiekonzept gesichert.

Neubau im laufenden Betrieb
Da kein Ersatzstandort zur Verfügung stand, errichteten TLB Architekten die Anlage in zwei Bauabschnitten neu. Die Bestandsgebäude blieben bis zur Fertigstellung des ersten Abschnitts in Nutzung und wurden anschließend ersetzt. Grundlage des Entwurfs war die klare Neuorganisation aller Funktionsbereiche sowie die sinnvolle Bündelung von Hallen-, Werkstatt- und Sozialflächen in einer kompakten Gesamtstruktur. Die Hallen und Überdachungen nutzen die bebaubare Grundstücksfläche vollständig aus und formulieren einen präzisen, funktionalen Werkhof.

Effizient durch Vorfertigung
Das Architektenteam setzte die Gesamtanlage konsequent in Hybridbauweise um: Sockel, Bodenplatten und stark beanspruchte Bauteile sind in Beton ausgeführt – teils als Fertigteile. Darüber entwickelt sich eine differenziert ausgearbeitete Holzständerkonstruktion. Tragende und aussteifende Außen- und Innenwände wurden als großformatige, vorgefertigte Holzelemente produziert, inklusive Dämmung und aller konstruktiven Schichten, und passgenau montiert. Auch im Dachbereich kamen vorgefertigte Elemente zum Einsatz. Auskragende, großformatige Dachflächen konnten direkt nach der Montage begangen werden und vereinfachten den Bauablauf erheblich. Grundlage für diese Präzision war eine durchgängige integrale 3D-Planung, die alle Bauteile vorab koordinierte und eine Umsetzung ohne Nacharbeiten ermöglichte.

Einheitliche Hülle und klare Struktur
Alle Nutzungen, von Fahrzeughallen über Werkstätten bis zu Büro- und Sozialbereichen, sind unter einem Dach zusammengeführt. Die Konstruktion folgt dabei einer klaren Logik: Auf einem robusten Sichtbetonsockel steht eine Holzkonstruktion, die je nach Nutzung als gedämmte Gebäudehülle oder als offene Kalthalle ausgebildet ist. Eine Fassade aus sägerauem, lasiertem Nadelholz fasst das Ensemble zu einer homogenen Einheit zusammen. Im Inneren bleibt die Tragstruktur weitgehend sichtbar: Ein wirtschaftlich optimiertes Holzsparrenraster und Holzmehrschichtplatten zur Lastverteilung prägen das Erscheinungsbild und machen die Konstruktion ablesbar.

Autark und über dem Null-Energie-Standard
Das Gebäude erzeugt mehr Energie, als es verbraucht. Die Dachflächen sind nahezu vollständig mit Photovoltaikmodulen belegt. Zusammen mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe und einem Batteriespeicher entsteht ein abgestimmtes System zur Eigenversorgung. Überschüssige Energie wird gespeichert und steht auch in sonnenarmen Zeiten oder nachts zur Verfügung – etwa für den Betrieb und die Ladeinfrastruktur des elektrischen Fuhrparks. Ein externer Strombezug ist im Regelbetrieb nicht erforderlich.

Holz als konsequenter Baustoff
Holz als nachwachsender Rohstoff reduziert den CO₂-Fußabdruck und prägt das konstruktive Konzept. Die Kombination aus Beton dort, wo Robustheit gefragt ist, und Holz in den darüberliegenden Bauteilen folgt einfachen, nachvollziehbaren Regeln. Vorgefertigte Bauteile verkürzen nicht nur die Bauzeit, sondern sichern auch eine gleichbleibend hohe Ausführungsqualität.

Präziser Baukörper mit Signalwirkung
Durch seine klare architektonische Ausformulierung und die exponierte Lage wird der Neubau auch aus dem höher gelegenen Wohnumfeld als präzise gefasster Baukörper wahrgenommen. Der Ganzjahresstützpunkt bildet einen markanten Auftakt am Stadteingang und steht zugleich für einen pragmatischen, ressourcenschonenden Umgang mit Material, Konstruktion und Energie.

Link zum Projekt: https://www.thoma-lay-buchler.de/projekte/1-ba-ganzjahresstuetzpunkt-maulbronn/

Photo © Simon Sommer Fotografie
Photo © Simon Sommer Fotografie
Photo © Simon Sommer Fotografie
Photo © Simon Sommer Fotografie
Rok
2025
Project Status
Built
Klient
Landratsamt Enzkreis
Zespół
Thomas Buchler, Barbara Kieferle, Cornelia Eisenbraun

Inne projekty autorstwa THOMA.LAY.BUCHLER. ARCHITEKTEN BDA 

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